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„Restrukturierung nicht gelungen“



Klangvolle Namen schützen nicht vor wirtschaftlichen Problemen: MaxMoritz mit bundesweit zwölf Standorten unter anderem in Hagen und Soest, Aurich und Bielefeld, die Kettler-Töchter Herlag und BMF und der Fachmarkt „Happy Baby“ in Lippstadt und Soest mussten zum Jahreswechsel den Weg zum Konkursgericht antreten.
Mit MaxMoritz ist das Volkswagengeschäft der Berliner Wellergruppe in finanzielle Schieflage geraten. Die Vertriebsgesellschaft, in der die Volkswagen-Fabrikate VW-Pkw und Nutzfahrzeuge, Audi sowie Skoda gebündelt sind, hat die Sanierung unter Eigenverwaltung mit Gläubigerschutz beantragt. Das teilte das Unternehmen in einer knappen Presseerklärung mit. MaxMoritz hat zuletzt 650 Mitarbeiter, 120 davon in Soest, beschäftigt und nach eigenen Angaben rund 22.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Die Entwicklung sei nicht über Nacht gekommen, dem Insolvenzgeschehen sei ein 16-monatiger Versuch vorausgegangen, das Unternehmen zu restrukturieren. Das sei nicht gelungen, heißt es aus Berlin. Probleme habe es insbesondere in Ostfriesland gegeben. Zu Weller zählen auch Autohäuser der Marken BMW und Mini (B&K) sowie Toyota und Lexus (Auto Weller). Diese Unternehmensteile seien von der Schieflage nicht betroffen. „Sie laufen prächtig“, lässt sich der geschäftsführende Gesellschafter, Burkhard Weller, zitieren.

Volkswagengeschäft MaxMoritz

Das Insolvenzgericht hat einen weiteren Geschäftsführer bestimmt, der neben Weller und zwei weiteren MaxMoritz-Geschäftsführern die Planinsolvenz mit Gläubigerschutz begleitet. Die Gehälter für die Beschäftigten seien gesichert, das Tagesgeschäft laufe an allen Standorten für Kunden und Beschäftigte ganz normal weiter.
Ziel ist aber wohl, sich von den einzelnen Standorten zu trennen. Gesucht werden Investoren, die einzelne Autohäuser, besser noch Pakete übernehmen. Dabei will der Wolfsburger VW-Konzern jedoch anscheinend mitreden. Wunsch sei es, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und Kunden in der Region auch künftig möglichst alle Marken finden können.

Herlag und BMF

Unruhige Zeiten scheinen auch für die Kettler GmbH und die Kettler-Stiftung, in der Liegenschaften und weiteres Vermögen des Unternehmens gebündelt sind, nicht vorbei zu sein: Nachdem der Hersteller von Freizeit- und Sportartikeln aus Ense im Vorjahr mit einer Landesbürgschaft erfolgreich ein Insolvenzverfahren in Eigenregie meisterte, hat es nun zwei traditionsreiche Töchter erwischt. Herlag Holzwarenfabrik und BMF Beverunger Metallwarenfabrik traf die Insolvenz. Kettler hatte sich seit 1969 bei Herlag engagiert und übernahm die Holzwarenfabrik 1978. 1985 übertrug er den Firmenverbund in die neu gegründete BMF. Der Firmenverbund mit einstmals 600 Mitarbeitern produzierte Büro- und Kindermöbel sowie insbesondere Kinderwagen.

Neuer Name an alter Stätte

Die und Spielzeug sorgten ausgerechnet zu Weihnachten für gehörigen Ärger, als in Lippstadt und Soest die Happy Baby GmbH in die Insolvenz trudelte. Mit der Folge, dass nun 13 Mitarbeiter um ihren Job fürchten müssen. Insolvenzverwalter Martin Schmidt ist zwar optimistisch, dass die beiden Filialen weitergeführt werden können, musste sich aber böse Kommentare der Kundschaft anhören: Die blieb nämlich auf Anzahlungen und Gutscheinen sitzen, für die zum Weihnachtsgeschäft schon Leistungen erbracht worden waren. Das Geld ist weg, musste der Insolvenzverwalter den erzürnten Kunden, darunter viele junge Eltern, mitteilen: Das Insolvenzrecht sieht vor, dass zunächst Lieferanten und andere Gläubiger berücksichtigt werden müssen.
Die beiden Fachgeschäfte im Kreis Soest sind übrigens ein rechtlich und wirtschaftlich unabhängiges Unternehmen und haben keine wirtschaftlichen Beziehungen zur Happy Baby GmbH mit Sitz in Bielefeld, die in ganz Deutschland Filialen betreibt. Zu Namensverwechslungen kann es künftig nicht mehr kommen: Mittlerweile übernahm „Baby One“ die Kinderfachgeschäfte in Soest und Lippstadt und agiert ab März an alter Wirkungsstätte. Die Kette gibt an, mehr als 1.000 Mitarbeiter zu beschäftigen und mit 27 Franchisenehmer zusammen­zuarbeiten.

Reinhold Häken | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 01/2018