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Fleher Brücke Foto: © R. Lange GmbH
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Vermessung mit Pilotcharakter

Das Team der jalasca GmbH nutzte erstmals einen Hochgeschwindigkeits-Laserscanner für die Vermessung von Brückentragseilen.



Beim Überqueren der Fleher Brücke hat so mancher Autofahrer sicher schon einmal einen Blick auf deren imposante Tragseile riskiert. Diese 96 Stahlkabel, die Durchmesser zwischen 111 und 93 Millimeter haben, sehen nicht nur beeindruckend aus, sie leisten Schwerstarbeit: Immerhin überqueren an Werktagen circa 95.000 Fahrzeuge die A46-Brücke, die den Rhein zwischen Düsseldorf und Neuss überspannt.

Um die Sicherheit aller Nutzer zu gewährleisten, wird der Zustand des Bauwerkes regelmäßig überprüft. Im Dezember 2017 kam dabei erstmals ein ganz neues Verfahren zum Einsatz: Den Vermessungsspezialisten der jalasca GmbH ist es hier gelungen, die Tragseile mithilfe des terrestrischen Laserscannings zu vermessen. „Zum ersten Mal wurde dieses Verfahren hierzulande bei der Vermessung von Brückentragseilen genutzt“, sagt jalasca-Geschäftsführer Klaus Jaeger. Beauftragt wurde das Moerser Unternehmen von der R. Lange GmbH, die eine optische Prüfung der Stahlkabel durchgeführt hat. „Mithilfe der von uns gelieferten Daten konnte unser Auftraggeber schließlich den Durchhang der Tragseile genauestens ermitteln.“

Dabei stellte die Aufgabe das jalasca-Team anfangs vor große Herausforderungen. Immerhin handelt es sich bei dem rund 146 Meter hohen Pylonen der Fleher Brücke um den höchsten in Deutschland. Zudem verfügt das Bauwerk mit einer Hauptspannweite von 368 Metern über die größte Spannweite aller deutschen Schrägseilbrücken. „Der Einsatz von Flugrobotern kam aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Wir dürfen unsere Drohnen beispielsweise nicht über Gewässer oder befahrenen Autobahnen einsetzen“, erklärt Klaus Jaeger. „Da auf der Brücke ein Geh- und Radfahrweg vorhanden ist, bestand jedoch die Möglichkeit, unseren Laserscanner einzusetzen. Auf diese Weise ist es gelungen, den Auftrag bei laufendem Betrieb durchzuführen.“

Vermessung bei laufendem Betrieb

Vermessungsingenieurin Monika Marszalik konnte die Seile somit vom Fahrradweg aus problemlos vermessen, ohne dass der Straßenverkehr beeinträchtigt wurde. Zum Einsatz kam dabei ein Hochgeschwindigkeits-Laserscanner mit einer Reichweite von 330 Metern, der auch den höchsten Punkt des Pylonen problemlos vermessen konnte. „Auf jeder Brückenseite wurden jeweils 20 Scanstandorte festgelegt. Von diesen Punkten aus habe ich in einem Zeitraum von zwei Tagen jedes einzelne Tragseil vermessen“, so die jalasca-Mitarbeiterin. Bei einem Scan erfasst das Gerät Millionen von Scanpunkten, die zusammen eine Punktwolke bilden und die Seile digital abbilden. „Die insgesamt 40 Scans haben wir später am Computer zu einer einzigen Punktwolke zusammengesetzt, in der man die einzelnen Seile aus jeder erdenklichen Perspektive begutachten und den Durchhang prüfen kann.“ Die gesammelten Daten wurden dem Kunden anschließend im CAD-kompatiblen ReCap-Format übergeben.

Da jalasca mit diesem Verfahren sehr zufriedenstellende Ergebnisse erzielen konnte, hat das Projekt Pilotcharakter. „Laserscanning eignet sich für alle Brücken dieser Bauart. Schließlich bietet es viele Vorteile im Gegensatz zu den bisher genutzten Methoden“, gibt Klaus Jaeger zu bedenken. Es könne kostengünstiger, schneller und berührungslos bei laufendem Verkehr durchgeführt werden. „Aus diesem Grund ist das Verfahren vielfältig einsetzbar und kann auch für die Vermessung der gesamten Brücke oder anderer Bauwerke genutzt werden.“

Ausgabe 01/2018