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Innovation beginnt im Kopf

Als zukunftsfähiges Unternehmen haben sich Koschany + Zimmer Architekten KZA der Nutzung und Förderung moderner Technik verschrieben. Aber auch die beste Ausstattung nutzt nur, wenn die Mitarbeiter Architektur neu denken können.



Der Duisburger Innenhafen hat einen bedeutenden Wandel hinter sich. Einst wichtiger Handelsplatz, hatte er im 20. Jahrhundet seine Bedeutung verloren, lag sogar viele Jahre komplett brach. Erst in den 1990er-Jahren wurde das Gebiet wiederbelebt. Inzwischen ist seine städtebauliche und kulturelle Bedeutung wieder stark angewachsen. Hier eine Firmenzentrale neu zu bauen ist eine Herausforderung: Sie muss sich einpassen in die Mischung aus Tradition und Moderne, dem öffentlichen Raum ebenso gerecht werden wie der Funktion als Arbeitsplatz sowie in der Gestaltung Rücksicht nehmen auf die Nachbarschaft. Dessen war sich auch Alexander Kranki bewusst, als er sich entschied, die neue Zentrale seines schon jetzt im Innenhafen angesiedelten Unternehmens Krankikom genau hier zu errichten. In einem Wettbewerb suchte er nach dem Entwurf, der sowohl seinen Vorstellungen als Bauherr als auch denen der Mitarbeiter, der Stadt Duisburg und einiger wichtiger Nachbarn – darunter das gegenüberliegende Landesarchiv – gerecht werden konnte. „Wir sind eine besondere Firma, also wollen wir auch ein besonderes Gebäude“, betont Geschäftsführer Alexander Kranki auf seiner eigenen Website. „Das Haus ist vor allem ein Ausdruck der Wertschätzung für unsere hoch qualifizierten und engagierten Mitarbeiter, die wir schon sehr früh in die Konzeption des neuen Gebäudes einbezogen haben, um ihre Wünsche und Ideen zu berücksichtigen. Wir möchten ihnen einen Heimathafen bieten, in dem sie auch künftig immer wieder gerne anlegen.“ Die Ansprüche an die Architekturbüros waren also hoch. Dass sich der Entwurf der Essener Koschany + Zimmer Architekten GmbH (KZA) durchsetzte, lag an zwei wesentlichen Elementen: Zum einen greift er die durchaus variable umliegende Bebauung auf, zum anderen wirkt das Gebäude sehr innovativ – so spiegelt es die Branche des Auftraggebers und späteren Nutzers und dessen Vorstellungen wider. „Im unteren Bereich betont das Gebäude den davorliegenden Platz“, erklärt KZA-Geschäftsführer Axel Koschany. „Hier befindet sich ein Café, das vom Auftraggeber selbst betrieben werden wird und das gleichzeitig das Entree bildet für seine Büroetagen. Einen separaten Haupteingang wird es nicht geben.“ Der obere Teil des Gebäudes richtet sich zum Kanal und zum Landesarchiv hin. Gestalterischer Clou ist die Textilfassade aus austauschbaren Stoffbahnen, deren Elemente von innen heraus beleuchtet werden. KZA konnte dieses Konzept gemeinsam mit „Pixlip Facade“ umsetzen. „Die Lichtquelle ist dimmbar, sodass sich die leuchtende Fassade jederzeit den Rahmenbedingungen anpassen lässt“, sagt Koschany. Baubeginn ist Anfang 2018.

Moderne Modellplanung in 3D

Für Koschany + Zimmer Architekten KZA war aber nicht nur das innovative Konzept und der Gewinn des Wettbewerbs ein wichtiger Erfolgsfaktor bei diesem Projekt. Der Neubau für Krankikom ist komplett in 3D modelliert worden. „Für die Architekturszene ist das schon eine Art Zeitenwende“, sagt Wolfgang Zimmer, der sich als Geschäftsführer nicht nur innerhalb des Unternehmens für moderne und zukunftsfähige Konzepte und Arbeitsweisen einsetzt. Innovative Entwicklungen für Architekten vertritt er auch regelmäßig bundesweit auf Konferenzen und in Gremien der Architektenkammern. Außerdem wirkte er bereits an verschiedenen  Publikationen zum Thema „BIM für Architekten“ mit. „Während CAD, vereinfacht gesagt, nichts weiter war als die Digitalisierung des Zeichenbretts, verändern sich mit BIM die Arbeitsabläufe.“ BIM steht für „Building Information Modeling“ und ist die offizielle Bezeichnung für das Projektieren von Gebäuden in 3D. „Wir bauen das Haus quasi zweimal: erst digital auf dem Computer und dann ‚in echt‘.“ Der große Vorteil: Die Arbeit aller beteiligten Planer wird in einem Gesamtmodell zusammengefasst und so noch besser aufeinander abgestimmt als bisher. So können Probleme, die sonst erst bei der Umsetzung auf der Baustelle auftreten, von
vorneherein nahezu ausgeschlossen werden. Auch Änderungen lassen sich einfacher einpflegen oder simulieren und ihre Auswirkungen – sei es auf die Kosten oder die Gebäudestruktur – schneller erkennen.
Vor Ort können die Pläne dann beispielsweise per Tablet-PC aufgerufen werden. Die Modelle enthalten nicht nur die reinen geometrischen Daten, sondern sind auch inhaltlich „gefüllt“. Beim Aufruf einer Wand werden so beispielsweise wichtige ergänzende Informationen zu Aufbau und Qualitäten sichtbar. Auch der Materialfluss auf der Baustelle kann mit moderner Technik noch gezielter gesteuert werden. „Jedes Fenster bekommt z.B. eine eigene Kennung und die ist dann auch im Bar- oder QR-Code bei der Lieferung enthalten. So lässt sich jedes Bauteil schneller und gezielter dorthin bringen, wo es benötigt wird“, sagt Zimmer. Auch werden über BIM die Kommunikationsprozesse zum Bauherrn vereinfacht. Nicht-Architekten fehlt häufig das räumliche Empfinden, um sich aus 2D-Plänen das tatsächliche spätere Gebäude vorstellen zu können. „Wir haben nicht selten erlebt, dass nach Fertigstellung der Satz ‚Ach, so sieht das aus‘ fiel“, sagt Axel Koschany. „Jetzt aber können wir unsere Auftraggeber mithilfe einer VR-Brille zu einem realitätsnahen Rundgang durch ihr späteres Gebäude einladen.“ Die Technik dazu sei zwar noch nicht hundertprozentig ausgereift, funktioniere aber und entwickle sich rasant weiter. Mit Blick in die Zukunft wird über BIM auch der 3D-Druck einzelner Bauteile möglich werden: hilfreich beispielsweise, wenn sich aufgrund einer zu geringen Stückzahl für die Produktion die Einrichtung einer neuen Fertigungsstraße nicht lohnt.

Individualität in Serie

Die Erwartung zu geringer Stückzahlen steht in einem anderen aktuellen Kompetenz-Schwerpunkt von Koschany + Zimmer Architekten KZA nicht zur Debatte. Beim modularen Wohnungsbau geht es darum, über hohe Stückzahlen Wohnen kompakt, preiswert, schnell, zum Teil vorgefertigt und kundenorientiert möglich zu machen. Vor rund zwei Jahren reifte bei KZA diese Idee heran, als ein großes deutsches  Wohnungsunternehmen mit genau diesem Anspruch auf die Essener zukam. „Aus dem Bürobau kannte man die modulare Bauweise bereits, aber für den Wohnungsmarkt war das was völlig Neues“, sagt Nina Bendler, eine von drei Prokuristen bei KZA. „Wir haben uns dann erst mal international umgesehen, wie sich Wohnen generell kompakter gestalten lässt, ohne dabei Komfort zu verlieren. In einem zweiten Teil der Studie ging es dann darum, wie sich die Erkenntnisse auf eine Systematik herunterbrechen lassen.“ Das Prinzip schaute man sich bei der plattformbasierten Produktion der Automobilindustrie ab. „Wir hatten von Beginn an eine  wirtschaftliche Vorgabe, waren durch unseren Auftraggeber aber völlig frei in der Ausgestaltung des  Konzeptes. Dann haben wir tatsächlich Wohnungsbau komplett auf den Kopf und alles infrage gestellt, was man in Deutschland bisher so macht.“ Auch für das Team bedeutet der modulare Wohnungsbau eine  besondere Herausforderung. Denn anders als bisher arbeitet man sich nicht mehr vom Großen zum Kleinen  vor, sondern genau umgekehrt. Von der kleinsten Einheit, dem Zimmer, ausgehend, entsteht jetzt die Wohnung und danach das gesamte Gebäude. Als Grundkomponenten stehen die Bausteine Wohnen, Schlafen und  „sonstige Zimmer“ zur Verfügung. „Das Ergebnis sind Module, aus denen sich sehr individuelle Wohnungen  und Häuser zusammenbauen lassen“, sagt Bendler. „Das hat übrigens nichts mit dem bereits bekannten Containerbau zu tun, der beispielsweise beim schnellen Aufbau von Flüchtlingsheimen angewandt wurde.“ Keine Einheitsbauten zu entwickeln war dem KZA-Team besonders wichtig, „denn das hätte in keinster Weise unserer Architektenphilosophie entsprochen“. Der serielle Wohnungsbau lohnt sich bei großen Stückzahlen, verspricht aber eine stark verkürzte Bauzeit. Insbesondere an der Baustelle vor Ort wird weniger Zeit benötigt, da viele Teile bereits vorgefertigt sind. „Da können aus bisher 15 Monaten drei werden. Für die Vorfertigung rechnen wir dann noch mal circa vier Monate, sodass die Gesamtbauzeit immer noch kürzer ist als bei bisherigen Möglichkeiten.“ In der Vorfertigung kommen Holz, Stahl und Beton zum Einsatz. Dabei hat jeder Werkstoff ganz individuelle Vor- und Nachteile: Im Vergleich zu Holz punktet beispielsweise Stahl beim Brandschutz und es schlägt Beton, wo das Gewicht eine Rolle spielt, also u.a. beim Transport. „Je nach  Projekt, Ort und Rahmenbedingungen entscheiden wir, welches Material für den Einzelfall am besten geeignet ist“, weiß Nina Bendler. „Schon die einzelnen Gesetzgebungen in den Bundesländern schränken die Möglichkeiten manchmal ein.“ Beim seriellen Wohnungsbau hat sich KZA inzwischen fast schon ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. „Wir dürfen aber mindestens behaupten, eines der führenden Büros im modularen Wohnungsbau zu sein“, sagt Axel Koschany. Selbstverständlich kommt auch hier BIM zum Einsatz, das insbesondere in der Verbindung mit der seriellen Fertigung große Vorteile mit sich bringt. Erste Projekte wurden in Bochum und Dortmund realisiert, über 40 sind bundesweit in der Vorbereitung – u.a. in Bremen. Hier konnte KZA den Wettbewerb für die Neubebauung eines Areals gewinnen, das derzeit mit Behelfsgebäuden bebaut ist. Obwohl alle Häuser aus den gleichen Modulen zusammengesetzt werden, hat jedes für sich ein individuelles Aussehen. „Wir haben alle Gebäude unterschiedlich konfiguriert, mal mit außen liegendem Laubengang, mal mit Fluren im Innern. So lässt sich von außen nicht erkennen, dass überall  derselbe Modulbaukasten verwendet wurde.“

„Klassisch“ geht auch

Bei aller modernen und innovativen Ausrichtung gehört auch das klassische Architekturgeschäft zu den Kompetenzen des inzwischen 70-köpfigen Mitarbeiterteams von Koschany + Zimmer Architekten KZA. In Dortmund konnte sich KZA gemeinsam mit dem Spar- und Bauverein Dortmund – die Kooperation zwischen einem Käufer und Bauträger und einem Architektenbüro war in der Ausschreibung gefordert – im Wettbewerb gegen bundesweit 16 Konkurrenten durchsetzen und wird an zentraler Stelle am Königswall drei neue  Wohngebäude errichten. „Es gab durchaus Bewerber, die beim Verkauf mehr Geld in die Stadtkasse gespült hätten, aber unser architektonisch-inhaltliches Konzept überzeugte für diese prominente Lage in der  Innenstadt“, freut sich Axel Koschany.

Das Architektenbüro

Die heutige Koschany + Zimmer Architekten KZA GmbH wurde bereits 1959 von Günter Koschany gegründet, damals noch als Einzelbüro im Essener Stadtteil Bredeney. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit legte er damals auf Industrie und Forschung, später folgten aber auch Wohn- und Verwaltungsbauprojekte. Wie es der Zufall wollte, entschied sich Sohn Axel ebenfalls für das Architekturstudium. Während seiner Studienzeit in Darmstadt lernte er Wolfgang Zimmer kennen, der aber im Studium bereits weiter fortgeschritten war. Zimmer zog es zunächst ins Ausland und bei seiner Rückkehr war Günter Koschany gerade auf der Suche nach  Führungsunterstützung für sein inzwischen gewachsenes Unternehmen. Axel Koschany ging auch zunächst ins Ausland, trat dann aber ebenfalls in den väterlichen Betrieb ein, und die drei führten das Büro ab 1995 als gleichberechtigte Partner. Drei Jahre später zog der Gründer sich aus dem Geschäft zurück, und bis 2014 waren Axel Koschany und Wolfgang Zimmer alleinig für das fortschreitende Wachstum der Essener verantwortlich. „Dann haben wir uns entschieden, eine mittlere Führungsebene einzuziehen, weil sich unsere Aufgaben doch immer mehr verlagert haben.“ Seitdem gehören Nina Bendler, Stefan Blieffert und Stephan Davidheimann als Direktoren mit Prokura mit zur Unternehmensführung. Und so, wie es aktuell aussieht, steht die dritte Generation in den Startlöchern: Axel Koschanys Sohn Kéan hat vor einem Jahr sein  Architekturstudium in München begonnen.

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Koschany + Zimmer Architekten
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Ausgabe 09/2017