Image
Martin Jonetzko, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes

Arbeitsmarktintegration wird zur Herausforderung

Unternehmerverband hält Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge für sinnvoll



„Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung und wir stehen erst ganz am Anfang“, so Martin Jonetzko, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, mit Blick auf die Beschäftigungssituation der in den letzten Jahren zugewanderten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten. „Anfängliche Vorstellungen, dass mit den Flüchtlingen auch kurz- und mittelfristig viele neue Fachkräfte den Arbeitsmarkt erreichen, haben sich als zu optimistisch herausgestellt“, so Jonetzko. In der Praxis seien Sprach- und Qualifikationshürden gewaltig. „Nach Einschätzung aller wichtigen Akteure auf dem Arbeitsmarkt werden Jahre vergehen bis die Mehrheit der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist“, erklärt Jonetzko. Die geringe Anzahl der Flüchtlinge, die bislang zum Beispiel in den DAX-Konzernen eine Beschäftigung gefunden haben, zeige wie hoch noch die Hürden sind. Kleine und mittlere Unternehmen würden sich erfahrungsgemäß noch schwerer tun. Jonetzko warnt davor, die Schuld für die noch unbefriedigende Lage den Unternehmen zu geben: „Das Gegenteil ist richtig. Die Unternehmen wollen helfen. Doch für die Aufnahme einer Arbeit braucht es ein Mindestmaß an erfüllten Voraussetzungen.“ Eine Wichtige Forderung des Unternehmerverbands ist dabei die Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge. „Die Aufnahme zustimmungs- und mindestlohnfreier Orientierungspraktika sollte grundsätzlich bis zu zwölf Monaten Dauer ermöglicht werden“, schlagen die Unternehmer vor.  Gerade Menschen, die keine abgeschlossene Ausbildung haben oder deren Ausbildung nicht unmittelbar für die Betriebe nutzbar ist, würde so der Weg in Arbeit erleichtert.

Ausgabe 08/2016