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Vertrauen zahlt sich aus

Die Kreditzinsen sind weiter auf dem Tiefststand. Gleichzeitig bekommt man kaum mehr Zinsen für Erspartes. Es lohnt sich jetzt zu investieren. Egal, ob Sie neue Maschinen anschaffen, Material für einen Großauftrag einkaufen wollen oder Geld für eine Übernahme brauchen. Die meisten Banken und Sparkassen verfügen über hohe Spareinlagen und freuen sich über Kreditgeschäfte. Finanziert werden aber nur solide und gut durchdachte Vorhaben, die mit Fakten belegt werden. Bevor Finanzinstitute einen Kredit vergeben, machen sie sich ein Bild von der (finanziellen) Situation des Unternehmens und erteilen eine Ratingnote, die Auskunft gibt über die Kreditwürdigkeit. Wir haben uns in der Branche umgehört und geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Rating optimieren können.



1 VORBEREITET INS GESPRÄCH GEHEN

Es soll vorkommen, dass Unternehmer unvorbereitet zu ihrem Bankberater gehen und sagen: „Ich brauche 50.000 Euro.“ Wozu das Geld benötigt wird, können sie aber nicht genau erklären. Auch über die Konsequenzen haben sie sich keine Gedanken gemacht – etwa, ob die Maschinen ausgelastet oder welche Kosten und Umsätze durch die Investition zu erwarten sind. Dass der Bankberater in so einem Fall nicht sofort den Blankoscheck ausstellt, sollte klar sein. Wer sich gut auf das Gespräch mit seiner Bank vorbereitet, hat wesentlich bessere Karten. Denken Sie daran, aktuelle Unterlagen wie Businesspläne, Finanzplanungen, Bilanzen und BWA mitzubringen, oder reichen Sie diese schon im Vorfeld des Gespräches ein, damit sich der Firmenkundenbetreuer vorbereiten kann.

Tipp: Die Finanzinstitute interessiert vor allem die Bonität eines Kunden und erst in zweiter Linie die Besicherung. Man muss den Berater im Gespräch „mitnehmen“ und Geschäftsmodell sowie Vorhaben plausibel erläutern können.

2 MITTELFRISTIGE PLANUNG

Auch wenn sich im Digitalzeitalter die Geschäftsmodelle und die Wettbewerbssituation schnell ändern können – Banken schätzen nach wie vor eine gewisse Planbarkeit. Wer eine Fünfjahresplanung vorlegen kann und diese regelmäßig mit dem Ist-Zustand abgleicht, kann seiner Bank aktuelle und übersichtliche Informationen zur Verfügung stellen.

Tipp: Eine mittelfristige Businessplanung hilft nicht nur bei Kreditgesprächen. Sie verschafft auch intern mehr Überblick und hilft, umsatzschwächere Monate zu verkraften sowie gezielter zu investieren.

3 VERTRAUENSVERHÄLTNIS

Bei Bankgeschäften geht es um Vertrauen. Das steckt schon im Wort „Kredit“, das von dem Lateinischen „credere“ abgeleitet wird. Hört man sich bei Banken und Sparkassen um, so raten alle Institute, frühzeitig den Kontakt zum Kreditgeber zu suchen und auch den Kontakt zu pflegen. Man sollte seinen Berater immer auf dem Laufenden halten und nicht erst hingehen, wenn man dringend eine Finanzierung braucht.

Tipp: Üblich ist es, dass die Berater ihre Firmenkunden mindestens einmal im Jahr zu einem Gespräch einladen. Hier wird dem Kunden auch verraten, welche Ratingnote er hat und woran er arbeiten sollte. So ein Bankgespräch sollte man sich nicht entgehen lassen.

4 HARTE FAKTEN

Bei der Kreditvergabe sind Finanzinstitute strengen Regeln unterworfen. Die Vorschriften zur Bankenregulierung beinhalten, dass die Institute aktuelle Zahlen und Fakten vorgelegt bekommen müssen und dass ein sogenanntes Rating erstellt wird. Anhand der Ratingnote bewerten die Banken die Bonität und das Ausfallrisiko eines Kunden. Wichtige Faktoren, die ins Rating einfließen, sind der Jahresabschluss und die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Es gibt noch eine ganze Reihe von Ratingfaktoren, die die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewerten. Dazu zählen beispielsweise die Eigenkapitalquote, der Cashflow oder die Liquiditätslage. Aus diesen Zahlen kann man u.a. ablesen, wie viel aus eigenen Mitteln finanziert werden könnte, ob Puffer für schlechte Zeiten vorliegen und ob die Zahlungsfähigkeit jederzeit gewährleistet ist.

Tipp: Welche Faktoren genau in das bankinterne Prüfverfahren einfließen und welche Gewichtung die einzelnen Faktoren bekommen, bleibt Betriebsgeheimnis der jeweiligen ratingverantwortlichen Institutionen (Verbände, Rechenzentren). Die zuvor genannten Finanzkennzahlen werden jedoch immer berücksichtigt.

5 WEICHE FAKTOREN

Ins Rating fließen aber auch qualitative Faktoren ein: Da geht es z.B. um die Dauer der Geschäftsverbindung, das Alter des Unternehmens, ob die Unternehmensnachfolge schon geregelt ist oder um die Kunden- und Lieferantenstruktur. Auch auf die Managementleistung des Unternehmers achten die Bankberater. Erwartet wird neben dem handwerklichen Fachwissen auch kaufmännisches Denken: Ein Unternehmer soll nicht nur die Bilanz und BWA mitbringen, sondern sich auch mit den Zahlen auskennen und wissen, wie es um seinen Betrieb steht.

Tipp: Schreiben Sie sich einige Wochen lang gleich morgens nach dem Aufwachen alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht: unangenehme Gedanken an den Job, die Einkaufsliste oder Termine mit blöden Kunden. Diese Übung hilft einem beim Reflektieren – und schließlich Lenken – der eigenen Gefühlslage. Man stellt z.B. schnell fest: Viele negative Gedanken sind total überflüssig, weil man noch gar nicht sicher sein kann, dass etwas schlecht ausgeht.

6 KONTOSTAND ALS INDIKATOR

Egal, auf welches Ratingverfahren ein jeweiliges Kreditinstitut setzt, das „Kontonutzungsverhalten“ hat die Bank jederzeit im Blick. Ist das Konto ständig überzogen, kostet das nicht nur viel Überziehungszins, sondern fällt auch beim Rating ins Gewicht. Ganz schlecht ist es, wenn die abgesprochene Kontokorrentkreditlinie auch ständig überzogen wird. Das wirkt wenig vertrauensvoll und Banken und Sparkassen werten dies auch als Verstoß gegen die getroffenen Absprachen. Bei Liquiditätsengpässen sollte der Kundenberater möglichst frühzeitig über die Gründe informiert werden. Sind sie plausibel und ist eine generelle Zahlungsfähigkeit gegeben, kann über eine Erweiterung der Kontokorrentkreditlinie nachgedacht werden.

Tipp: Als Unternehmer sollte man auch selbstkritisch darüber nachdenken, ob die betriebsinterne Steuerung klappt. Werden Akontorechnungen zügig gestellt? Nutzen Sie Skontozahlungen bei Ihren Lieferanten? Warum sind die Außenstände so hoch?

7 EIGENKAPITAL ERHÖHEN

Je mehr Eigenkapital in der Bilanz ausgewiesen ist, desto solider gilt ein Unternehmen. Und solide Unternehmen bekommen meist schnell Kredite bewilligt – und dies zu guten Konditionen. Wer ins eigene Unternehmen investiert, sprich, wer Privatvermögen in den Betrieb einbringt, kann seine Eigenkapitalquote erhöhen und sein Rating positiv beeinflussen.

Tipp: Es fällt vielleicht nicht leicht, sich von finanziellen Rücklagen zu trennen, aber schlecht verzinste Sparguthaben bringen derzeit nur geringe Zinserträge – wogegen auf der anderen Seite meist höhere Zinsaufwendungen für das Fremdkapital aufzubringen sind. Eine Auflösung der privaten Rücklagen und eine Zuführung in das Unternehmen können die für das Rating wichtige Eigenkapitalquote verbessern.

8 GESCHÄFTSIDEE ZÄHLT

Die jeweilige Branche spielt im Rating keine große Rolle. Bei der Kreditvergabe ist primär relevant, wie das Unternehmen aufgestellt und im jeweiligen Markt positioniert ist. Wer den fünften Friseursalon in einer Straße eröffnen will, wird sich kritischen Nachfragen stellen müssen. Etwa, welche besondere Geschäftsidee man denn habe? Wie will man sich von der Konkurrenz abheben? Wie sind die Wachstumsaussichten in der Branche? Gibt es konjunkturelle Zyklen, technologischen Wandel oder staatliche Regulierungen (z.B. Mindestlohn), die Einfluss aufs Geschäft haben? 

Tipp: Nicht nur Existenzgründer sollten bei einem Kreditantrag ihre Geschäftsidee plausibel erläutern und auch das Branchenumfeld und die Marktbedingungen einordnen können.

9 MEHRERE ANGEBOTE EINHOLEN

Bei Anschaffungen oder Vergaben ist es üblich, sich mehrere Angebote einzuholen. Wer einen größeren Kredit beantragen möchte, sollte sich auch die Mühe machen, mindestens zwei Geldinstitute zu kontaktieren, um die Angebote der Banken vergleichen zu können. Wie schon erwähnt, legt jedes Institut eigene Schwerpunkte beim Ratingverfahren fest. Oft sind auch die Vergabekriterien unterschiedlich.

Tipp: Wer gute Kontakte zur Hausbank pflegt, muss bei einer Kreditanfrage nicht bei null anfangen. Es macht auch Sinn, zwei Hausbanken zu haben, um deren Konditionen und Leistungen direkt vergleichen zu können. Heutzutage bieten auch Finanzportale im Internet eine gute Vergleichsmöglichkeit.   

10 BEDEUTUNG DER RATINGNOTE

Von der Ratingnote und der Ausfallwahrscheinlichkeit hängt maßgeblich ab, ob das Geldinstitut einem Unternehmen einen Kredit gewährt. Die Ergebnisse des Ratings haben auch Einfluss auf die Höhe des Zinssatzes und die Laufzeit des Kredites. Schneidet ein Unternehmen im Rating gut ab, muss es niedrigere Zinsen zahlen und kann sich mit der Rückzahlung mehr Zeit lassen. Auch wenn es darum geht, einen Kredit zu verlängern oder zu erhöhen, wirkt sich eine gute Ratingnote meist positiv auf die Bewilligung aus.

Tipp: Banken sind nicht gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden die Ratingnoten mitzuteilen. Seit 2010 gilt aber eine freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Kreditwirtschaft. Falls Ihr Bankberater Sie nicht automatisch informiert, fragen Sie beim nächsten Bankgespräch mal nach Ihrer Note.  

Ausgabe 06/2017