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Friedhof hat Zukunft

Mit neuen Konzepten gesellschaftliche Veränderungen aufnehmen



Niemand spricht gern über den Tod, für das Bestattungswesen ist er Grundlage ihrer Arbeit. Rund 860.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich. Trotz des demografischen Wandels bildet diese Zahl keine feste Größe und Prognosen sind ethisch kaum vertretbar. Mit der Öffnung und Weiterentwicklung der Gesellschaft hat sich auch die Arbeit der Bestatter verändert. Circa 4.000 Bestattungsunternehmen sorgen bundesweit für eine ordnungsgemäße Beerdigung. Der gesellschaftliche Wandel hat längst auch die Unternehmen erreicht.

Weg von der Erdbestattung

Die Zeiten, in denen Erdbestattungen die Regel waren, sind längst vorbei. Sie machen nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB) nur noch 45,5 Prozent aus. Der Verband repräsentiert 80 Prozent aller Unternehmen am Markt. Das Segment der Feuerbestattungen hat es mit 54,5 Prozent (davon sind zwei Prozent Seebestattungen) längst überflügelt. Zuwächse erreichen auch die anonymen Bestattungen, die inzwischen rund fünf Prozent ausmachen. Tendenz steigend, denn viele Menschen wollen ihren Angehörigen, die oft weit entfernt leben, die Kosten der Grabpflege nicht zumuten.

Die durchschnittlichen Kosten einer Beerdigung liegen derzeit zwischen 2.800 und 5.000 Euro. Darin enthalten sind auch die Friedhofsgebühren der Kommunen, die sehr unterschiedlich ausfallen. Mit der Abnahme der Erdbestattungen kamen die über lange Jahrzehnte gut kalkulierbaren Kosten der Friedhofsunterhaltung ins Wanken. Der Trend zu der Umwidmung ehemaliger Kirchen und Kapellen zu Kolumbarien setzt die Betreiber zusätzlich unter Druck. Dazu verfügt ein deutscher Friedhof nicht gerade über das beste Image: Eine traurige Atmosphäre liegt über dem Areal, die langweilige Gestaltung der Gräber und Grabsteine reizt auch nicht gerade zum Besuch der Verstorbenen und natürlich schrecken die restriktiven Vorschriften ab.

Langsam dämmert auch den Kommunen, dass sie neue Bestattungsformen zula ssen müssen. Pflegefreie Gemeinschaftsgrabanlagen, Friedhaine, Aschenbeisetzungen unter Bäumen oder in Randbereichen von Wiesen zählen zu den modernen Formen. Das Schalke 04-Gräberfeld in Gelsenkirchen zählt ebenso dazu wie die Öffnung der Friedhöfe für historische Rundgänge, Projekte für Kinder oder die Entdeckung der Friedhöfe als Biotope, die selten gewordene Pflanzen und Tiere beheimaten. Eher exotisch sind Angebote, die Asche der Verstorbenen oder Teile davon zu Diamanten zu verarbeiten.

Immer häufiger werden Bestatter mit der Frage nach umweltfreundlich und ökologisch einwandfreien Bestattungswaren gefragt. Die Ökologie hat Einzug gehalten in der Branche. Die hat darauf reagiert und berät, ob die Urne biologisch abbaubar ist, die Eiche für den Sarg aus nachhaltigem Waldbau stammt und die Stoffe der Sargauskleidung biologisch abbaubar sind. Längst wird auf Fachmessen die grüne Linie angeboten – bis hin zum elektrisch angetriebenen Bestattungswagen für die CO?-neutrale Überführung auf dem Friedhof.

Langfrsitige Beratung

Die Bestatter kennen alle weiteren Produkte rund um den Friedhof. Sie wissen, welche Vorschriften auf den jeweiligen Friedhöfen gelten und welche Gestaltungsspielräume es regional gibt. Die Bestatter ermöglichen es Angehörigen auch, die Trauerfeier mitzugestalten und damit einen ganz persönlichen Abschiedsgruß auszudrücken.

Als Berater stehen sie den Angehörigen auch bei der Auswahl von Grabsteinen oder der anschließenden Pflege zur Seite. Sie arbeiten mit Experten, Steinmetzen und Gärtnern, zusammen und suchen gemeinsam mit den Trauernden nach Lösungen. Leben Familien weit auseinander, kennt er pflegefreie Grabanlagen, die nicht teuer sein müssen und dennoch dafür sorgen, dass das Grab immer schön und gepflegt wirkt.

Zum Portfolio einiger Bestatter zählt inzwischen auch der Bau eigener Kolumbarien. Die Angehörigen erhalten Zugangskarten, um jederzeit und geschützt vor schlechtem Wetter die Verstorbenen zu besuchen. Und auch die Digitalisierung hat längst Einzug in die Branche gehalten. Verbraucher suchen nach Bestattern im Internet, was die Branche auch für legitim hält. Weniger erfreut ist der Bundesverband Deutscher Bestatter über unseriöse Praktiken. Das beginnt nach Ansicht des Verbandes mit Werbeversprechen über besonders religiöse Beerdigungen bis hin zu sehr preisgünstigen Bestattungen. „Da die Bestattung eines Menschen eine komplexe Dienstleistung darstellt, die sich aus handwerklichen, beratenden und kaufmännischen Aspekten zusammensetzt sowie durch weitergereichte Gebühren (z.B. Friedhofsgebühren) und Kosten stark differiert, sollte man sich beim Bestatter des Vertrauens ein individuelles Angebot einholen“, rät Oliver Wirthmann, Pressesprecher des BDB. Bestatter, die über das Gütesiegel, das „Markenzeichen“, verfügen, erfüllen die besonderen Qualitätskriterien des Verbandes.

Ein weiterer Trend im digitalen Zeitalter sind Trauer- und Gedenkportale, die sich zunehmend etablieren. Sie sind derzeit auf den Verlagsportalen zu finden. Inzwischen zeige sich aber, dass Bestatter mit eigenen Portalen eine höhere Reichweite als Verlagsportale erreichen. Die Erweiterung um das digitale Portfolio sichere den Bestattern einen klaren Wettbewerbsvorteil, weil die Trauergemeinschaft direkt erreicht wird. Bestatter helfen auch bei der Erstellung von Fotobüchern weiter. Auch sie sind Teil der sich verändernden Bestattungskultur. Ein weiterer Aspekt ist vielen Menschen wichtig: die finanzielle Absicherung der eigenen Beerdigung. Besonders die Fragen, wie man die Bestattungsvorsorge vor dem Zugriff des Sozialamtes schützen kann, und Fragen, was bei Pflegedürftigkeit passiert. Grundsätzlich kann jeder eine angemessene Bestattungsvorsorge vor dem Zugriff des Sozialamtes schützen. Hilfreich ist dabei der Abschluss einer Sterbegeldversicherung oder die treuhänderische Hinterlegung, bevor Sozialleistungen beantragt werden. Per Vertrag können dann mit dem Bestatter alle Leistungen und Wünsche geregelt werden. Auf Zweckkonten gespartes Geld oder zurückgelegtes Bargeld kann die Sozialverwaltung, trotz anderer Wünsche,
zugreifen. Dirk Heuer | redaktion@rhein-wupper-manager.de

Ausgabe 10/2017