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Alles auf Start

Nordrhein-Westfalen mag nicht zu den Hochburgen der deutschen Start-up-Szene gehören. Doch wer sein eigenes Unternehmen aufbauen möchte, findet hier sehr gute Bedingungen vor. So kann es klappen.



Es stimmt schon: Der Begriff „Start-up“ erweckt zuerst die Assoziation mit dem Silicon Valley. Wer an die deutschen Hochburgen für junge innovative Unternehmen denkt, hat vermutlich Berlin, Hamburg und München im Sinn. Nordrhein-Westfalen ist als Gründer-Land weniger bekannt. Zu Unrecht allerdings. Immerhin belegt NRW Platz sechs in der Rangliste der Bundesländer mit der höchsten Gründungsaktivität im Drei-Jahres-Durchschnitt. Dies zeigt der Kfw-Gründungsmonitor 2017. Damit folgt das Land direkt auf Bayern; ein Jahr zuvor lag NRW sogar noch vor dem südlichen Bundesland.

In der Tat sind die Start-up-Gründungen in Deutschlands Westen zuletzt etwas zurückgegangen. So haben in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 154 Personen eine selbstständige Tätigkeit aufgenommen. Für den Zeitraum 2013 bis 2015 hatte die Kfw-Analyse pro Jahr noch neun Gründungen mehr ausgewiesen. Allerdings ist die Zahl der Existenzgründer 2016 bundesweit auf einen neuen Tiefstand gesunken. Mit 672.000 Personen haben 91.000 weniger eine neue selbstständige Tätigkeit begonnen als im Jahr 2015.

Positive Tendenzen

Doch die Zahlen des Kfw-Gründungsmonitors belegen durchaus auch positive Tendenzen: Der Analyse zufolge gab es noch nie zuvor so wenige Gründungen aus der Not heraus wie im Jahr 2016. Noch nie war das Verhältnis von Chancengründern zu Notgründern besser. Das ist äußerst erfreulich, denn von Chancengründern ist ein besonderer volkswirtschaftlicher Beitrag zu erwarten.

Wenn neue Unternehmen an den Start gehen, dann bevorzugt in Ballungszentren. Diese versprechen kurze Wege, weil viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenleben. Und genau da punktet NRW. Allein schon das Ruhrgebiet erfüllt alle Voraussetzungen, die eine Region braucht, um sich zu einem hippen Gründer-Zentrum zu entwickeln. Mit über fünf Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands, der fünftgrößte Europas. 22 Hochschulen warten hier mit einem großen Bildungsangebot auf, rund 155.000 Unternehmen, darunter drei Dax-Konzerne, erwirtschaften einen Jahresumsatz von insgesamt 330 Milliarden Euro. Auch in der Region Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis floriert die Gründerszene. Ähnlich sieht es in Köln aus – der Stadt, die der Unternehmensberatung Deloitte zufolge für Start-ups die viertbesten Standortbedingungen in Deutschland bietet.

Damit ist klar: Wer an geschäftige Jungunternehmer in Kapuzenpullis, an coole Straßencafés und Firmen in Hinterhöfen denkt, darf NRW getrost in seine Vorstellungen einbeziehen. Doch ein Unternehmen zu gründen ist selbstverständlich deutlich mehr, als mit dem Laptop im hippen Café zu sitzen. Wer gute Ideen und Konzepte hat, sollte sich daher Rat und Unterstützung suchen. Als erste Anlaufstelle dafür kann ein sogenanntes Startcenter dienen. 76 dieser Beratungszentren gibt es über das gesamte Bundesland verteilt. Träger sind die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern sowie die kommunalen Wirtschaftsförderungen. Hier erhalten Firmengründer eine kostenlose erste Beratung, in der die wesentlichen Einzelschritte erläutert werden – von der Erstellung des Businessplans bis hin zur Finanzierung.

Gut ist es auch, den Kontakt zu den Universitäten, Hochschulen und Forschungszentren des Landes zu suchen. Dies gilt umso mehr, wenn ein Gründer eine sehr innovative Idee verfolgt. Potenzielle Start-up-Unternehmer, die noch studieren oder gerade erst einen Abschluss gemacht haben, sollten mit ihren Projekten nicht hinter dem Berg halten. Manche Universitäten fördern Unternehmensgründungen ganz gezielt, etwa indem sie Studierenden oder Absolventen Mentoren und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Kapitalgeber gesucht

Gründungswillige benötigen jedoch nicht nur tatkräftige Mentoren, sondern in der Regel auch Kapitalgeber. Damit innovative Konzepte nicht an klammen Finanzen scheitern, hält die NRW Bank für Unternehmensgründungen grundsätzlich sehr zinsgünstige Darlehen bereit. Die verbilligten Kredite können Start-ups beantragen, die noch keine fünf Jahre am Markt sind, teure Materialien oder gar eine Immobile anschaffen müssen. Um ein Förderdarlehen zu bekommen, müssen Gründer in spe bei ihrer Hausbank vorsprechen und den Berater vor Ort von ihrer Firmenidee überzeugen. Gelingt es, so wird der Kreditantrag an die NRW Bank weitergeleitet. Bewilligt diese das Darlehen, zahlt die Hausbank die Summe an den Start-up-Gründer aus.

Doch das ist nicht die einzige Finanzierungsmöglichkeit, die die NRW Bank Unternehmensgründern bietet. Mit der sogenannten Business Angels Initiative hilft das Institut Gründungswilligen, Geschäftsleute oder auch Wirtschaftsexperten zu finden, die bereit sind, in das Start-up zu investieren. Ist der Anfang schon gemacht, und befindet sich die Firma bereits in der Startphase, können die Inhaber auch einen der regionalen Seed-Fonds nutzen, die die NRW Bank aufgelegt hat. Diese Fördertöpfe sind mit jeweils zehn Millionen Euro gefüllt. Vor allem Gründer von aussichtsreichen Technologie-Start-ups können sie in Anspruch nehmen. Und: Ist das neue Unternehmen sogar schon in der Wachstumsphase, steht der Venture Fonds der NRW Bank für die Finanzierung weiterer Projekte zur Verfügung.

Natürlich sollten Unternehmensgründer immer auch darüber nachdenken, ob sie nicht auf eigene Faust Startkapital bei Investoren einsammeln könnten. Das setzt in der Regel allerdings voraus, dass Geschäftsanteile abgegeben werden. Wer diesem Finanzierungsmodell einen gewissen Charme abgewinnt, kann öffentliche Beteiligungsprogramme nutzen. Investoren lassen sich eventuell aber auch in Gründer-Netzwerken finden.

Start-up-Events für neue Kontakte

Netzwerke sind ohnehin ein wichtiges Stichwort. Für Start-up-Gründer kann es sehr vorteilhaft sein, frühzeitig in Kontakt mit anderen jungen Firmeninhabern zu treten – oder mit Menschen, die ebenso wie sie selbst ihr Unternehmen erst aufbauen möchten. Um Kontakte zu knüpfen, sind Veranstaltungen, die sich gezielt an Gründer richten, eine gute Gelegenheit. In Nordrhein-Westfalen bietet sich beispielsweise der RuhrSummit in Dortmund an. Der RuhrSummit ist eine große Start-up-Konferenz verbunden mit einem Match-Making und dem RuhrPitch. Beim Match-Making werden Start-ups mit Unternehmen, Investoren und Business Angels zusammengebracht – wie beim Speed-Dating. Der Ruhr-Pitch ist ein Wettbewerb, bei dem junge Unternehmen die Chance haben, ihre Geschäftsideen vor Venture-Capital-Gebern, Business Angels und Konzernvertretern vorzustellen.

Auch die Start-up-Woche in Düsseldorf bietet sich an, um mit anderen Gründen in einen Austausch zu kommen, ebenso wie die StartupCon in Köln. Darüber hinaus finden sich in NRW sogenannte Start-up-Inkubatoren, in denen junge Firmeninhaber ihre Gründung vorantreiben können. Bekannt ist etwa der Inkubator „Startplatz“, den es in Köln und Düsseldorf gibt. Wer sich dort erfolgreich für ein Stipendium bewirbt, kann in die Räume des Büros einziehen, erhält Unterstützung in Sachen IT, Steuer- oder Rechtsberatung. Und die Arbeit dort erinnert vielleicht an das Silicon Valley – an deutsche Start-up-Hochburgen wie Berlin oder Hamburg aber ganz sicher. Andrea Martens | redaktion@nrw-manager.de

INFO

Platztausch an der Spitze

Rangfolge der Bundesländer nach Gründungstätigkeit im Drei-Jahres-Durchschnitt

Ausgabe 2017