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Vor allem in der Kantine sollen sich die „Anzugträger“ auf Augenhöhe mit den Werkern im „Blaumann“ begegnen können
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Von der Kantine zum Betriebsrestaurant

Zufriedene Mitarbeiter sind unbestritten einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmer. Um Zufriedenheit zu schaffen, gibt es unterschiedliche Wege. Einer davon ist die Erstellung zukunftsweisender Arbeitswelten. Auf diesen Bereich konzentriert sich die merTens aus Willich.



1980 von Hans-Peter und Evelyn Mertens als Handelsunternehmen für Büroeinrichtungen gegründet, hat sich merTens im Laufe seiner 35-jährigen Geschichte zu einem der gefragtesten deutschen Spezialisten in Sachen Optimierung ablauforientierter Prozesse in Unternehmen und Schaffung innovativer Arbeitswelten entwickelt.

Inzwischen zur nicht-börsennotierten Familien-AG umgewandelt, erzielte das Unternehmen unter der Führung der beiden Vorstände Mike Mertens, Sohn des Unternehmensgründers, und Matthias Engenhorst im Geschäftsjahr 2013/2014 einen Umsatz von 52 Millionen Euro. „Wir konzentrieren uns heute auf die Zusammenarbeit mit großen, international agierenden Konzernen, denen wir einen deutschlandweiten und internationalen Service sowie interessante komplexe Projekte anbieten können“, sagt Mike Mertens. Dabei umfasst das Angebot der Willicher alle Bearbeitungsschritte, von der Erarbeitung der Ziele der Aufraggeber und Machbarkeitsstudien über die Entwicklung von Raum-, Licht-, Boden- und Wandkonzepten bis zum Ausbau der Räumlichkeiten. Einen Schwerpunkt innerhalb der Planung bildet das Thema Schallschutz, denn dauerhafter Lärm am Arbeitsplatz sorgt nicht nur für Unwohlsein bei den Beschäftigten, sondern kann auch zu Krankheiten und dauerhafter Arbeitsunfähigkeit führen.

Um die erforderlichen Arbeitsschritte schnell realisieren zu können, beschäftigt die merTens AG rund 220 Mitarbeiter. Neben Hans-Peter Mertens und seiner Tochter Nadine, die ebenfalls Teilhaber der AG sind, sowie Mike Mertens‘ Ehefrau Jennifer, die als Designchefin arbeitet, stehen allein 25 Architekten, Innenarchitekten und Ingenieure, 20 Medientechniker, Technikplaner und Programmierer sowie 80 Servicefachkräfte für die Entwicklung der Ideen und die Umsetzung der Konzepte bereit.

Umdenk-Prozess


„Früher wurden Büromöbel an die vorhandenen Räume angepasst. Dabei mussten vor allem formale Kriterien wie Hierarchien und Budgets berücksichtigt werden, der einzelne Beschäftigte und seine Bedürfnisse waren eher zweitrangig“, erläutert Mike Mertens. Diese Situation habe sich in den vergangenen Jahren radikal geändert. Zum einen hat sich vor allem durch die Digitalisierung die Arbeitsorganisation in den Betrieben gewandelt, zum anderen ist die Bedeutung des einzelnen Mitarbeiters und dessen Produktivität für das Gesamtunternehmen gewachsen. Mertens: „Um für den Kunden das Optimum zu erreichen, steht am Anfang jeder Zusammenarbeit nicht nur die Analyse des Status quo, sondern insbesondere auch die Definition der individuellen Unternehmensziele.“ Dabei werden Themen wie Unternehmensstruktur, Flächeneffizienz oder Mitarbeiterführung in die Entwicklung eines geeignetes Konzeptes einbezogen. Wenn es sinnvoll erscheint oder vom Kunden gewünscht wird, übernimmt die merTens AG auch eine Beratertätigkeit, die über Raumgestaltung und Möblierung hinausgeht und schlägt beispielsweise Umstrukturierungen vor oder entwickelt Vorschläge zur Optimierung der Arbeitsabläufe. Mike Mertens: „Wir sind aber keine Unternehmensberater im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern wir begleiten den Change-Prozess, also den Weg eines Unternehmens aus einer kleinteiligen Bürostruktur in zukunftsweisende Workplaces.“

Mehrwert


„Gerade in Zeiten, in denen Unternehmen in hartem Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte stehen, kann eine moderne, in die Zukunft gerichtete Arbeitsumgebung den entscheidenden Mehrwert bei der Rekrutierung bieten“, stellt Mike Mertens fest. Andererseits müsse sich jeder Auftraggeber darüber im Klaren sein, dass Umbauten und Umstrukturierungen in der Regel auch den Verlust von Personal mit sich bringen. Mertens: „Nicht jeder Mitarbeiter schafft es, ausgetretene Pfade zu verlassen und fühlt sich subjektiv in einer neuen Arbeitswelt unwohl, obwohl sich die Situation objektiv verbessert hat.“ Dies bringe aber wiederum die Chance mit, neue Mitarbeiter einzustellen, die bereit sind, den eingeschlagenen Weg in die Zukunft mitzugehen.

Praxisbeispiel


Keinerlei negative Folgen aufseiten der Beschäftigten hat die Zusammenarbeit mit der merTens AG allerdings bislang für das neue Pierburg Werk in Neuss gebracht. Im Gegenteil: „Ich höre von allen Seiten Zustimmung“, so Margret Munterkamp, Leiterin Personal im Pierburg-Werk Nettetal. Im neuen, im Jahr 2014 in Betrieb genommen Werk auf der Hafenmole in der Neusser City werden die beiden Pierburg-Produktionsstätten in Neuss und Nettetal zusammengeführt. Im neuen Werk arbeiten rund 700 Mitarbeiter aus Produktion und Verwaltung. Die merTens AG wurde mit der Entwicklung eines Konzeptes für die Kantine und Sonderräume beauftragt. „Wichtigstes Ziel sollte die Schaffung einer Arbeitsumgebung ohne Zwei-Klassen-Gesellschaft sein“, betont Munterkamp. „Vor allem in der Kantine sollen sich die ,Anzugträger‘ auf Augenhöhe mit den Werkern im ,Blaumann‘ begegnen können.“ Diese Vorgabe sei von merTens vorzüglich erfüllt worden.

Gestaltungsprozess


„Uns war es wichtig, beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – von Beginn an in den Gestaltungsprozess zu integrieren“, betont Jennifer Mertens. Deshalb habe man eine entsprechende Pierburg-Delegation zunächst zum Firmensitz nach Willich eingeladen.
Dort wurden einerseits die Möglichkeiten der merTens AG ausführlich demonstriert, andererseits wurde intensiv über die Wünsche und vor allem Notwendigkeiten der Pierburg-Mitarbeiter diskutiert. „Ein Mensch, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, hat nun einmal andere Bedürfnisse an einen Kantinenstuhl als ein Werker, der acht Stunden an der Maschine steht“, meint Jennifer Mertens. Zudem stellt gerade eine Kantine eine besondere Herausforderung dar, weil unvermeidbare Geräusche wie Stühlerücken oder Geschirrklappern sich schnell zu unerwünschtem Lärm addieren können. Auf der Basis der Erkenntnisse aus den gemeinsamen Workshops wurde schließlich eine Planung erstellt, die zunächst in einem CAD-Modell und schließlich in der Praxis realisiert wurde.
Wichtigste Punkte bei der Umsetzung des erarbeiteten Konzepts war die Öffnung der Decke, um mehr Höhe zu erzielen, sowie der gleichzeitige Einsatz von schallreduzierenden Elementen im Deckenbereich, an den Wänden und als Raumteiler. Zudem wurde der Boden an die zu erfüllenden Vorschriften (z. B. der Hygieneverordnung) angepasst. Und das Sitzmöbelkonzept besteht aus einer meterlangen, zentral in der Mitte des Raumes befindlichen, gepolsterten Bank sowie Stühlen in zwei Ebenen.
Dass die Arbeit der merTens AG für Pierburg erfolgreich war, zeigt sich nicht nur in den ausbleibenden Beschwerden der Mitarbeiter. Auch die Tatsache, dass die Kantine inzwischen Pierburg-intern in allen Mitarbeiterbereichen zum Betriebsrestaurant aufgestiegen ist, legt davon Zeugnis ab.


Ausgabe 07/2015