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(Foto: © pbombaert – stock.adobe.com)

Nichts für die lange Bank

Es ist schon viel geschrieben worden zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) – und das ist richtig. Denn dieses Thema wird kein Unternehmen einfach an sich vorbeiziehen lassen können.



Dabei ist das BGM an sich schon ein relativ „alter Hase“: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schon haben sich Unternehmen mit den klassischen Themen der „Berufskrankheiten“ beschäftigt sowie der Frage, wie sich Arbeitsunfälle bzw. Gefahrenpotenziale vermeiden lassen. Getrieben wurde das Thema seinerzeit über die Einflussmöglichkeiten der Berufsgenossenschaften auf die Unternehmen. Durch das Thema des demografischen Wandels, der bereits begonnen hat, wird das Thema um das Betriebliche Gesundheitsmanagement weiter vorangetrieben, nur: Heute gehen die Ziele über die bloße Vorsorge längst hinaus.
Das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG) trat in seinen wesentlichen Teilen am 25. Juli 2015 in Kraft. Es stärkt die Grundlagen für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung – für alle Altersgruppen und in vielen Lebensbereichen – mit dem Ziel, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen.
So werden ganzheitliche und nachhaltige Voraussetzungen für eine dauerhafte Gesundheit am Arbeitsplatz angestrebt. Wichtig dabei ist, dass die Maßnahmen sich nicht auf Einzelaktionen beschränken. BGM ist ein dauerhafter Kreislauf aus Analyse, Planung, Umsetzung und Überprüfung. Aber Achtung: Es kann nur dann erfolgreich implementiert werden, wenn auch die Unternehmensführung dafür brennt! Wie Führungskräfte denken und handeln, nimmt automatisch Einfluss auf die Mitarbeiter.

BGM für kleine und mittlere Unternehmen


Nicht jedes kleine und mittlere Unternehmen, das zwar gerne mehr für die Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tun mag, kann kostenseitig auch ein betriebliches BGM aufbauen. Daher bieten sich Kooperationen mit Krankenkassen an, um mit der Gesundheitsförderung überhaupt erst einmal zu beginnen. Denn diese arbeiten mit regionalen Unternehmensorganisationen (Industrie- und Handelskammern oder/und Handwerkskammern) zusammen und verfügen über das nötige Know-how bei der Implementierung und Durchführung von Analysen, dem Aufbau von BGM-Strukturen, der finanziellen Unterstützung von Einzelmaßnahmen in Seminaren und Trainings sowie der Schaffung von zertifizierten Beratungsangeboten für die Beschäftigten.
Interessante Seminare mit teils hochkarätigen Experten und Referenten rund um das Thema BGM bietet etwa die IKK classic in Verbindung mit den Handwerkskammern auf ihrer Internetseite an. Der Vorteil hier ist, dass im Anschluss an die Veranstaltung die Chance zum persönlichen Austausch und für individuelle Fragen genutzt werden kann.

Gründe für die Entscheidung eines BGM


Die Barmer Ersatzkasse (BEK) hat gute Argumente für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gefunden und für beide Seiten zusammengefasst. Demnach bestehen die
Vorteile für Arbeitgeber insbesondere in folgenden Punkten:

  • Langfristige Senkung des Krankenstandes Höhere Produkt- und Dienstleistungsqualität
  • Höhere Innovation und Kreativität
  • Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Arbeitsproduktivität
  • Motivation der Mitarbeiter zu einem besseren Betriebsklima/ verbesserte Identifikation mit dem Unternehmen
  • Offene Kommunikation und steigende Kooperationsbereitschaft
  • Imageförderung für das Unternehmen nach innen und außen


Als Vorteile für Arbeitnehmer werden hingegen folgende Punkte genannt:

  • Verringerte gesundheitliche Belastung und Beschwerden
  • Gesteigertes psychisches und physisches Wohlbefinden
  • Besseres Betriebsklima
  • Mehr Arbeitszufriedenheit und positivere Arbeitseinstellung
  • Gesünderes Verhalten im Betrieb
  • Gesünderes Verhalten in der Freizeit

 

Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Die Antwort darauf muss das Unternehmen nicht alleine definieren – da unterstützen Experten, sogenannte „Gesundheitsberater“. Diese sitzen in den Unternehmen, beraten im Prozess und ziehen dann Experten und Expertinnen von außen hinzu, die zum Beispiel Workshops durchführen.
Die DAK-Gesundheit geht noch einen Schritt weiter und verleiht seit drei Jahren den Deutschen BGM-Förderpreis in Kooperation mit der Kommunikationsagentur MCC für besonders einfallsreiche und nachhaltige Projekte. „Flexibel, mobil und digital – die Arbeitswelt ist einem starken Wandel unterworfen, der weiter andauern wird“, weiß Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Darum setzen die Preisverleiher dieses Jahr das Thema „BGM und die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt“ in den Fokus. Preisverdächtig sind Firmen, die kreative und nachhaltige Projekte im BGM planen, um die Herausforderungen der Arbeitswelt von heute zu meistern.
Gesundheitsförderliche Maßnahmen müssen in allen Lebensbereichen eine Rolle spielen. Dies gilt für Arbeitsplatz ebenso wie für Kitas und Schulen, Einrichtungen für Seniorinnen und Senioren oder die Kommunen. Mit dem 2016 eingeführten Präventionsgesetz will die Politik dafür sorgen, dass die Kranken- und Pflegekassen ab 2016 mehr als eine halbe Milliarde Euro für Präventionsleistungen insbesondere in diesen Lebenswelten bereitstellen. „Wir wollen die Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger stärken“, so Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesund­heit. Christine Elbel | redaktion@regio-manager.de

Ausgabe 07/2017