Image
Prof. Dr. Bodo Risch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Außenwirtschaftsexperte der IHK Nord Westfalen

Handel mit der Türkei

IHK-Umfrage zum Stand der Wirtschaftsbeziehungen



Dass sich das angespannte politische Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern auswirkt, wird allgemein erwartet. Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammern Köln und Nord-Westfalen zeigt jetzt allerdings, dass die Auswirkungen keineswegs alle Unternehmen gleichermaßen treffen. So sagt zwar fast jeder dritte Betrieb (31 Prozent), die Geschäftsbeziehungen seien schlechter als vor einem Jahr, jedoch berichtet auch gut jedes zehnte Unternehmen (13 Prozent), dass sie besser geworden sind. Für die Mehrheit der Betriebe (56 Prozent) ist die Beziehung zu ihren türkischen Partnern trotz der politischen Spannungen gleich geblieben. Für die meisten Unternehmen (57 Prozent) ist der Geschäftsverkehr mit der Türkei nicht schwieriger geworden. 43 Prozent sind allerdings gegenteiliger Meinung, betont der Außenwirtschaftsexperte der IHK Nord Westfalen, Prof. Dr. Bodo Risch. Angesichts der bestehenden Zollunion mit der Türkei seien die zunehmenden Schwierigkeiten bedenklich. Problematisch ist für die Unternehmen konkret, dass die Zollabfertigung nicht mehr so reibungslos verläuft wie zuvor (53 Prozent). 41 Prozent der Betriebe klagen über eine Bevorzugung nationaler Anbieter. “Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Einschätzungen offenbar stark von der Qualität der jeweiligen Geschäftsbeziehung oder auch von der Branche abhängen“, erläutert Risch. Alles in allem seien es aber keine günstigen Vorzeichen für eine gute Entwicklung der deutsch-türkischen Geschäftsbeziehungen. “Das deutsch-türkische Verhältnis könnte sich zu einem Paradebeispiel für die allseits negativen Folgen des Protektionismus entwickeln, bei dem am Ende beide Seiten verlieren“, befürchtet Risch. An der Umfrage im Zeitraum vom 5. bis 11. Oktober beteiligten sich 141 Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die Türkei.

Ausgabe 01/2017